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Copyright in Zeiten des Internet hat mehr als nur mit künstlerischen Urheberrechten zu tun. Es geht zugleich um elementare Bürgerrechte, den Schutz der Privatsphäre, Informationsfreiheit und technologischen Fortschritt: Copyright or Copywrong?

NachrichtenArchiv Mai/Juni

Linkliste Copyright

AUGUST 2002

Medienkonzerne - der Countdown läuft
Die Medienkonzerne rutschen weltweit immer tiefer in die roten Zahlen. Davon sind nicht nur die großen Unterhaltungskonzenrne betroffen, von denen - nach Einschätzungen der Analysten - die Mehrzahl faktisch pleite ist, sondern auch zunehmend die klassischen Verlagshäuser und Publisher. Major-Aktienverluste von 80 % sind keine Ausnahme, gleichzeitig geht das Anzeigevolumen (deutscher Verlage) um 50 und mehr Prozent zurück.
Da wundert es nicht, daß Sündenböcke gesucht werden - natürlich nicht in den eigenen Reihen.

Dreimal napstern - lebenslänglich in den Knast?
Während Marktforscher unisono das Problem auf katastrophale Managementfehler zurückführen, auf den Realitätsverlust gieriger Konzernlenker und Inkompetenz des mittleren Managements, schiebt die Industrie ihren Kunden den schwarzen Peter zu, die einfach keine CDs kaufen wollen und sich die Tracks lieber aus dem Netz ziehen. Dem widersprechen zwar die neuesten Studien (siehe unten), aber die Lobbymaschiene läuft auf Hochtouren und zeigt Erfolge: Illegales Downloaden soll, wenn es nach John Malcolm vom US-Justiziministerium geht, in Zukunft nach dem No Electronic Theft Act von 1997 geahndet werden - und der sieht für den Tausch urheberrechtlich geschützter Werke Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren vor.

Die RIAA zeigt sich begeistert darüber, daß es in Zukunft theoretisch möglich ist, Filesharer (die dreimal dabei erwischt werden) lebenslänglich hinter Gitter zu bringen (was in einer Reihe von US-Bundesstaaten nach dem three-strikes-Prinzip denkbar wäre). Gleichzeitig hat die RIAA die Verfolgungen von besonders aktiven Filesharern aufgenommen, fordert von Providern die Herausgabe von Personendaten und setzt auf stalinistische Schauprozesse. Auch wenn dieses Szenario vielleicht übertrieben erscheint, zeigt es deutlich, was Konzerne von ihren Kunden halten: Konsumverweigerer gehören in den Knast.

Murdoch, Medien und Moral
Wer im Glashaus sitzt: Ausgerechnet für Herren wie Murdoch und seinen Manager Peter Chernin, Chief Operating Officer von News Corp. und Chef der Fox Group, ist das Internet eine "moralfreie Zone" voller zügelloser Piraterie, Pornografie und Spams. Liberalfaschist Murdoch, dessen englische Boulevard- und Pornoblätter seit jeher nicht nur rigiden Moralisten ein Dorn im Auge waren, als Oberzensor, der Sitte und Moral in Gefahr sieht? Und was ist mit seinen Schmierblätter "The Sun" und "News of the World"? Wahrscheinlich kommt morgen Berlusconi und will uns Demokratie beibringen. O tempora, o mores ...

Kriminalität im Internet
Was die Computerkrimninalität in Deutschland angeht: "Seit dreizehn Monaten betreiben das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULDZ) und die ╩Technische Universität Dresden im Rahmen eines vom Bundeswirtschaftsminister geförderten Modellprojekts den Anonymisierungsdienst ... Besonderen Wert legen die Datenschützer auf die Feststellung, dass "die Kriminalität im Internet offenbar weit geringer ist als bisher angenommen". Dies hätte die Analyse des AN.ON-Projekts ebenfalls gezeigt. Dazu Bäumler "Den circa 1,2 Millionen Nutzungsfällen stehen insgesamt 17 Anfragen von Strafverfolgungsbehörden im Rahmen eines strafrechtlichen Anfangsverdachts gegenüber. Die überwiegende Mehrheit waren Anfragen von deutschen Behörden." Gerade diese Statistik würde zeigen, dass das Internet nicht der "Hort des Bösen" ist, wie dies gerne in der Öffentlichkeit dargestellt werde (zum Artikel).

Zwei neue Download-Studien
Forrester war immer schon gut, das Business aus einer gewissen Distanz zu betrachten - zumindest was die Studien über die Musikindustrie angeht. Und auch die neueste zieht ihre Klagen in Zweifel - sie hält die Probleme für weitgehend hausgemacht und Downloads keineswegs schuld an der Misere der Majors. Und wenn man die beiden Forrester-Studien vergleicht (sie liegen ca. drei Jahre auseinander), merkt man, daß sich die Majors schwer tun: im Grunde hat sich nichts verändert - zumindest aus der Sicht des Konsumenten. Heise:

"So heißt es in der Studie der Yankee Group ähnlich wie bei Forrester, die kommerziellen Musikangebote der Labels hätten bislang wenig Auswirkungen auf die Situation gehabt, da die Dienste nicht das Repertoire aller Labels anböten, sondern nur derjenigen, die bei einer Plattform gerade mehr oder weniger zufällig kooperierten. Auch wollten die Verbraucher keineswegs Musik mieten, sondern die Kontrolle über die von ihnen gekaufte Musik behalten - sie also auch auf CD brennen, auf portablen Playern und andere Geräte abspielen und die Musikstücke nutzen können, auch wenn sie das Abonnement eines bestimmten Dienstes beenden. Die Labels sollten aber nicht glauben, dass Systeme zum Digital Rights Management die User davon abhalten könnten, diese Ansprüche durchzusetzen ..."

In die gleiche Kerbe schlägt auch die Studie der Yankee Group. Interessant, daß beide Marktforscher der Musikindustrie die Leviten lesen und zu ähnlichen Ergebnissen kommen: Die Downloads werden weiter zunehmen, denn der Konsument achtet nicht auff dieses oder jenes Label - er will einfach Musik. Und selbst der Schritt nach vorn, die veränderten Portale der Majors, spielen immer noch das alte jeder-gegen-jeden-Spiel, obwohl sie es sich kaum lange leisten können: Der Bloomberg US-Medien-Aktienindex ist in den letzten 12 Monaten um 40 % gefallen, AOL Time Warner und Vivendi-Universal haben in den letzten acht Monaten 70 % ihres Wertes verloren! Aber - so die Studien - ab 2005 soll es wieder bergauf gehn!

The End of Free?
Please, let it be!
Der Washingtonpost.com-Chef widerspricht dem vielbeschworenen Trend zu Bezahlinhalten und setzt langfristig auf bessere Werbeeinnahmen. Zwar suchen immer mehr Anbieter ihr Heil in kostenpflichtigen Abos und Angeboten, doch der CEO und Herausgeber der Websites Washingtonpost.com und Newsweek.msnbc.com plädiert vehement für kostenlose Angebote: Die Erlöse aus Abonnements würden bei weitem überschätzt.

Popkomm 2002
Ganz andere Töne von der Popkomm. Da trafen sie sich wie jedes Jahr die Großen und Kleinen aus der Branche, um zu feiern, zu diskutieren, zu klagen und zu fordern. Für letzteres sorgte wie üblich Gerd Gebhardt, Vorstandsvorsitzender der Phonoverbände, das deutsche Pendant von Hillary Rosen.

Auch Balthasar Schramm, Chef von Sony Deutschland, sieht erst nach einer weiteren Verschärfung der europäishen Urheberschutz-Richtlinie wieder Land für seine Profite: "Erst dann kann eine Verbesserung der Marktlage der Musikindustrie erwartet werden" und setzt auf differenzierte Preise - dank DRM-Maßnahmen. Genau das bezweifeln die Marktforscher von Forrester und Yankee. Und was den deutschen Sonderweg angeht - erst profitierten alle von der Einführung der CD (Zweitverwertung), dann die Branche hierzulande von dem Fall der Mauer (17 Millionen neue Konsumenten). Erst nachdem alles abgefeiert ist, steht der Kaiser ohne Kleider da. Also fordert man wieder - diesmal eine öffentlich-rechtliche Rundfunk-Quote vom Gesetzgeber. Und - wie die US-Industrie - eine Ächtung von MP3 Anbietern durch die Provider: Erstens sinnlos (weil leicht zu umgehen) und zweitens rechtlich problematisch, aber who cares?

Konstruktiver Vorschlag:
Janis Ian, 2. offener Brief
Aufmerksamen Lesern dieses Specials ist ihr Name bereits geläufig: Janis Ian, amerikanische Musikerin, die sich in einem offenen Brief (The Internet Debacle) an die Musikindustrie wandte. Jetzt schrieb sie ihren zweiten Brief und brachte einen charmanten Vorschlag ein, Meldung auf heise:

"Die Musikerin erklärt die starre Haltung der Industrie damit, dass die Konzerne panische Angst davor haben, die Kontrolle über die Musik zu verlieren. Statt neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, missbrauche man die Tauschbörsen als Sündenbock. Die Künstlerin hat allerdings die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Vorhaben der Unterhaltungsindustrie scheitern werden: Die RIAA könne es sich nicht leisten, sich ihre Kunden zum Feind zu machen. Um die Frage zu klären, ob Downloads der Musikindustrie schaden oder nicht, schlägt Ian ein einjähriges Experiment vor:

Alle Plattenfirmen sollten gemeinsam eine Website aufbauen, die ausschließlich Musik-Downloads von nicht mehr im Handel erhältlichen Stücken anbietet. Da die Unternehmen mit diesen Aufnahmen derzeit ohnehin kein Geld verdienen, könnten sie damit auch nichts verlieren. Die Site solle ausschließlich Downloads anbieten, keine CDs. Die Downloads sollten nicht kostenlos sein, sondern zu einem fairen Preis anbieten, Janis Ian schlägt 25 Cent pro Song vor. Damit könnten die Plattenfirmen auch ihr ramponiertes Image wieder verbessern. Der aus dem Experiment erwirtschaftete Erlös solle gerecht unter den Künstlern und der Musikindustrie verteilt werden. Ian sieht das Experiment als Ausgangspunkt für eine gerechtere Beziehung zwischen Künstlern und Musikfirmen zueinander, bei der alle Beteiligten einen gerechten Anteil am Ertrag ihrer Produkte einnehmen ..." Weiter zu Janis Ian und ihrem zweiten Brief.

Fundierte Initiative:
Creative Commons
Endlich wieder eine kreative Idee und fundierte Initiative, um die verhärteten Copyright-Fronten aufzuweichen und an die digitalen Zeiten anzupassen. Der Hintergrund:
Viele Autoren würden ihre Werke gerne der Öffentlichkeit zugänglich machen, viele Musiker ihre Songs gerne ins Netz stellen - doch sie haben keine Chance! Sie sind zwar Urheber, haben aber in der Regel sämtliche Verwertungsrechte an Verlage abgetreten. Wie sinnvoll wäre es, hätten sie Modifikationen in ihren Verträgen , um wenigstens zu einem (unkommerziellen) Teil über ihre Werke zu verfügen. Und das zu Bedingungen, die den nicht-atomaren Gesetzen des Cyberspace entgegenkommen, wo Kopie und Original nicht mehr zu unterscheiden und sich das Publizieren fundamental geändert hat.

Um das zu ermöglichen, wurde in den USA ein Gesetzentwurf eingereicht, der das Problem auf eine elegante Art lösen könnte. Die Netzzeitung über Creative Commons, ein " Projekt, an dem so renommierte Cyberlaw-Vordenker wie Lawrence Lessig und James Boyle beteiligt sind. Ziel ist es nach den Worten von Lessig, Instrumente zu schaffen, "die es für Künstler und Autoren einfacher machen, einige oder auch alle ihrer Urheberrechte gratis der Öffentlichkeit zu überlassen. Wenn beispielsweise ein Musiker seine Werke zur nichtkommerziellen Nutzung oder zur freien Vervielfältigung mit Urheberhinweis freigeben möchte, helfen ihm unsere Applikationen, diese Nutzungsrechte in einer maschinenlesbaren Form zum Ausdruck zu bringen ..."

Radiosterben geht weiter
Das große US-Radiosterben im Internet geht weiter. Tausende von Miro-Stations auf live365.com machten die letzte Preiserhöhung (um 5 Dollar pro Monat) nicht mit, aber auch College Sender und kleinere Broadcaster stehen vor dem Aus (Das Radiosterben geht weiter, telepolis). Denn nach der Entscheidung von James H. Billington, Leiter der Library of Congress, müssen Webradios 0,07 Cent pro Musikstück und Hörer zahlen - das Aus zahlreicher kleiner Stationen und Webchannels, die häufig privat betrieben wwerden und über keinerlei Geschäftsmodell verfügen. Die umstrittene Verfügung soll bis Ende 2002 gelten, danach wird neu verhandelt. Infoquelle zur Diskussion: RAIN - Radio and Internet Newsletter (kurthanson.com)

Rettung für kleine Internet-Radios?
Bis dahin werden aber eine Vielzahl von kleinen Stationens schlicht bankrott sein, weswegen die US-Parlamentarier Rick Boucher ("Das Ziel ist schlicht und einfach, ihnen Lebenshilfe zu geben, bis sie in die nächste Runde eintreten"), Jay Inslee und George Nethercutt eine Gesetzesinitiative einbrachten, um den kleineren Webchannels eine Gnadenfrist bei den Lizenzgebühren einzuräumen. Ausserdem sollen sie von den Gebühren befreit werden, welche die offizielle Schiedsstelle des Copyright Office für die Teilnahme an Schlichtungsverhandlungen fordert, die bis zu 300.000 Dollar betragen soll, so die kalifornische San Jose Mercury News. Linkempfehlung: SOS - Save Our Streams

Bestehendes Recht um
emanzipatorische Aspekte erweitert

Im Mittelpunkt steht eine Software, die es auch juristisch unerfahrenen Personen ermöglicht, mit wenigen Clicks maßgeschneiderte Lizenzbedingungen festzulegen (Contributor Application). Das kann eine vollständige Freigabe sein, eine "Attribution (Vervielfältigung, Nutzung, Aufführung, Veränderung sind erlaubt, jedoch immer mit dem Hinweis auf den ursprünglichen Urheber)", aber auch Nichtkommerzialität, Unveränderbarkeit (keine abgeleiteten Werke), Nichtöffentlichkeit und Copyleft. Weiter zur Website von
Creative Common

Copylefts gehen auf eine Idee von Richard Stallman zurück, eine General Public License zum Schutz freier Software. Dabei darf man, so die Netzzeitung, "den betreffenden Code frei kopieren, verbreiten, nutzen und verändern, aber nur dann, wenn derivative, daraus abgeleitete Werke wiederum unter die Copyleft-Lizenz gestellt werden. Die GPL funktioniert somit als eine Art "Impfung", die die so lizensierte Software innerhalb der Nutzerszene vollkommen frei hält, sie jedoch nach aužen hin vor proprietärer Aneignung durch Unternehmen bewahrt." Beide Verfahren stehen explizit nicht im Widerspruch zu den bestehenden Urheberrechtsgesetzen, sondern ergänzen sie um emanzipatorische Aspekte, so Lessig in seinem vor einem Jahr erschienenen Buch "Code und andere Gesetze des Cyberspace", hier bei Amazon

Privatkopie ja,
Kopiersperre umgehen strafbar

Der Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft steht weiterhin unter Beschuss. Der Deutsche Multimedia Verband klagt, er "enthalte zwar Erweiterungen der Rechte der Urheber, stelle aber auch die Wirtschaftlichkeit digitaler Verwertung in Frage". Die Hörer wissen nicht, wie sie eine Kopie anfertigen können (legal), ohne den Kopiermechanismus zu knacken (illegal) und den Phonverbände geht er nicht weit genug.

Phonoverbände: Es gibt auch in Zukunft
keinen Anspruch auf eine private Kopie

Deren Vorsitzender Gerd Gebhard in einer Stellungnahme zum Entwurf des Kabinetts: "Wichtig ist, dass die Umgehung von Kopierschutzsystemen ebenso wie die Verbreitung von Umgehungstechnologien und die detaillierte Anleitung zur Umgehung verboten werden. Es muss den Rechteinhabern überlassen bleiben, ihre Werke gegen massenhaftes Kopieren zu schützen. Es gibt auch in Zukunft keinen Anspruch auf eine private Kopie."
Ministerin Däubler-Gmelin sagt man nach, zwar viele Seiten angehört, aber wenig davon umgesetzt zu haben. Zwar sieht der Gesetzentwurf weiterhin das Recht auf Privatkopien vor, doch die Umgehung von Kopierschutzmechanismen wird unter Strafe gestellt. Verstöße sollen mit Bußgeldern und - im Falle gewerblicher Verstöße - mit Geld- und Freiheitsstrafen geahndet werden.

Der große Tauschangriff
Die aktuellen Online-Aktivitäten der Majors beschreibt Sven Hansen (
Musik mit weižer Weste Kommerzielle Musikangebote im Netz) in der Computerzeitschrift c´t, die das Thema (Der große Tauschangriff) in ihrer aktuellen Ausgabe fundiert analysieren.

JUNI 2002:

RIAA-Seite gehackt
Cyberwar - der umstrittene Gesetzentwurf, der es der Musikindustrie erlauben soll, P2P Tauschbörsen anzugreifen und lahmzulegen, zeigte erste Konsequenzen: Hacker legten die Website der RIAA lahm - komplett. Dort trägt man esfreilich mit Humor: "Wir fragen uns, warum die Leute jetzt im Sommer nichts anderes zu tun finden. Vielleicht hält es wenigstens einige für ein paar Minuten von der Musikpiraterie ab." Für die Hacker ist das jedoch erst der Anfang, andere Sites sind bereits im Visier.

Unzufrieden mit Urheberrechtsnovelle
"Wirtschaftsverbände und Politiker von Bündnis90/Die Grünen sind enttäuscht von dem neuen Entwurf für ein Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft. Das vom Bundeskabinett gestern in aller Stille abgesegnete Papier enthält vor allem redaktionelle Änderungen. Die fundamentale Kritik an dem ursprünglichen Referentenentwurf, die es im Frühjahr sowohl von Industrieverbänden wie auch von Nutzergruppen und Forschern hagelte, hat das federführende Bundesjustizministerium dagegen nicht aufgegriffen ... weiter zum heise-Artikel

Piraterie nimmt weiter zu
Die Europäische Kommission teilt mit, daß 2001 an den Aužengrenzen der EU 40 Millionen CDs, DVDs und Kassetten
beschlagnahmt wurden: Ein Anstieg um 349 Prozent gegenüber 2000. Drahtzieher sind zumeist international operierende Banden, 25 Prozent der Raubkopien kommen aus Thailand, 18 Prozent aus China und rund acht Prozent aus der Türkei.

Bürgerkrieg im Cyberspace?
Der inzwischen offiziell eingereichte Gesetzentwurf der Kongressabgeordneten
Howard Coble und Howard Berman (siehe unten) soll es der Unterhaltungsindustrie in Zukunft erlauben, Peer-to-Peer Netzwerke (Online-Tauschbörsen) gezielt zu "blockieren, deaktivieren oder anderweitig zu beeinträchtigen". Damit, so der Spiegel, droht eine Art Bürgerkrieg zwischen der Industrie und ihren Kunden - sieht so ein erfolgsversprechendes Geschäftsmodell aus? Während die MPAA, die Lobbygruppe der Filmindustrie, inzwischen gezielt Provider und User angeht, die große Datenmengen (wie bei Filmen üblich) downloaden, soll es der Musikindustrie erlaubt sein, Cyberattacken zu fahren - was seit längerem bereits getan wird.

Allerdings, so Spezialisten, kann der Schuss nach hinten losgehen: Dutzende von Hackern könnten sich in die Server der Majors hacken und dort beträchtlichen Schaden anrichten. Der Beginn einer Eskalationsspirale, wie wir ihn aus etlichen Regionen der real world zur Genüge kennen. Daher setzen Majors wie Universal auf eine Doppelstrategie: Einerseits die schrittweise Eskalation gegen "illegale" P2P-User, andererseits soll das "legale" Downloaden einfacher und komfortabler werden. Was der Handel dazu sagt, steht in den Sternen, begeistert dürfte er nicht sein ...

Popfile, Pressplay und Musicnet
Trotzdem ist es für solche Schritte höchste Zeit, so der Hamburger Medienwissenschaftler Knut Hickethiers, denn "den Plattenfirmen entgleitet im Moment alles. Der CD-Markt ist gesättigt, die krisenhafte Entwicklung der Wirtschaft lässt Kunden beim Kauf zusätzlich zögern." Hierzulande setzt Universal daher auf "Popfile", in den USA wollen Sony und Universal gemeinsam unter "Pressplay" Teile ihres Repertoires anbieten, BMG, Warner und EMI setzen auf ihr "Musicnet". Ob die Konsumenten mitziehen und bereit sind, für Abos bei mehreren Anbietern zu bezahlen, steht auf einem anderen Blatt.

MP3 und Ogg Vorbis
Andere Baustelle: Seit 1993 arbeitet die Open Source Gemeinde an Ogg Vorbis, einem copyright-freien Format, das inzwischen ausgereift ist und das Zeug hat, MP3 abzulösen. Zunehmend wird das Format auch in den populären Playern eingesetzt (Winamp, iTunes etc.), für viele Surfer ist ein weiteres PlugIn immer noch eins zuviel! Dazu kommt, daß Real und Microsoft ihre proprietären Standards durchboxen wollen, wobei Real inzwischen auf einen halboffenen Standard setzt, der aich Ogg Vorbis unterstützt:

Real präsentiert die halboffene Helix-Plattform
Real versucht Boden wettzumachen, den man im Kampf gegen Microsoft gut gebrauchen kann. Daher unterstützt Helix nicht nur RealAudio/-Video, sondern auch Apple QuickTime, MPEG-2, MPEG-4 und selbst Microsofts Windows Media - alle wichtigen Streaming-Formate aus einer Hand. Um damit nicht allein zu sein, setzt Real wieder auf Allianzen, 29 Firmen, darunter Intel, HP, Hitachi, Sony, Oracle, STMicroElectronics und Texas Instruments, sollen Helix unterstützen.

Microsoft startet .net 2
Microsoft geht dagegen wieder seinen eigenen, monopolistischen Weg, der verzweifelte Versuch, as Netz doch noch unter Kontrolle zu bekommen. "Longhorn" heißt die Strategie, die den gescheiterten "Hailstorm" ablösen soll und in Zukunft das Digital Right Management auch hardwareseitig durchsetzen möchte. Frank Patalong im Spiegel: "Voll .Net-tauglich soll das System, auch mit Hilfe von Hardwareherstellern, gewollte Inkompatibilitäten enthalten, wenn man versucht, bestimmte Dienste illegal oder ohne Zahlung zu nutzen. Das gilt zum Beispiel für den Bereich P2P und "Digital Rights Management", Zahlungs- und Abwicklungssysteme fčr urheberrechtlich geschützte Materialien. Ob Kunden oder Partner das wollten oder nicht: Hier säže Microsoft mit einem Mal wieder in der Mitte des Webs, kontrollierte Geldflüsse und die Vergabe von Privilegien und Rechten. Denn nur darum kann es letztlich gehen in der digitalen Welt, in der alles mit allem kommunizieren und kooperieren kann: Dass man mit seinen Produkten Schlüsselstellen im ach so offenen System besetzt, die Profite erwirtschaften und einen Vorsprung vor der Konkurrenz schaffen."

Internet Radio sollen an die DRM-Leine gelegt werden
Über das Internet ausgestrahlte Radioprogramme sollen in Zukunft, wenn es nach der RIAA geht, Flagge zeigen. Die "audio performance flag" soll Raubkopien verhindern, auch wenn webchannels derzeit (soundmässig) noch kein Problem darstellt - eine Zunahme breitbandiger Anschlüsse könnten die Qualität bald HiFi tauglich machen. Da ist es gut, schon mal vorzubeugen ...

Die Achse des Bösen:
Neues aus Redmonton

Microsoft hat sich mit seiner DRM (Digital Right Management) und Lizenzpolitik keine Freunde gemacht, im Gegenteil. Der Konzern versuchte, seine Kunden (über den Windows Media Player) an die elektronische Kette zu legen, ihre Userdaten zu speichern und ungefragt neue Updates (und andere Programme) zu installieren.
Erst Ende Juni räumten ahnungslose Kunden Microsoft das Recht ein, auf ihrem PC automatisch eine Kopierschutz-Software zu installieren. Der entsprechende Passus war irgendwo im Kleingedruckten (EULA, End User Licence Agreement) versteckt, das man eh nicht lesen kann: "Digital Rights Management (Security). You agree that in order to protect the integrity of content and software protected by digital rights management ("Secure Content"), Microsoft may provide security related updates to the OS Components that will be automatically downloaded onto your computer. These security related updates may disable your ability to copy and/or play Secure Content and use other software on your computer. If we provide such a security update, we will use reasonable efforts to post notices on a web site explaining the update. "

Zurückgerudert ...
Zuerst fiel es
einem User auf,die Nachricht verbreitete sich und nach einer Menge Beschwerden und und Klagedrohungen rudert man zurück, in bestem Amststubendeutsch: "Microsoft erkennt an, daß der betreffende Absatz in der EULA fčr den Patch Q320920 sowie für Windows Media Player 7.1 und Windows XP in der derzeitigen Formulierung die zu Grunde liegende Absicht nicht unmissverständlich zum Ausdruck bringt. Aus diesem Grund wird Microsoft so schnell wie möglich eine neue Fassung dieses Absatzes erstellen, die seine Intention und die damit verbundenen Sachverhalte eindeutig klar macht. Festzuhalten ist: Die EULA überträgt Microsoft keinerlei Administratorenrechte für die Systeme von Benutzern. Die Benutzer besitzen zu jeder Zeit vollständige Kontrolle darüber, welche Daten auf ihr System geladen werden und welche Anwendungen sie benutzen können"

DRM und Palladium
Stimmt so auch wieder nicht, denn Micorosft plant, in Zukunft sein Betriebssystem immer enger mit DRM-Kopiersperren zu verknüpfen, vor allem hardwareseitig soll es in die Richtung gehen. Das Digital Right Management soll Hollywood und der Musikindustrie die Kontrolle über Ihren Rechner, aber auch über Ihr Handy und Ihren PDA ermöglichen - mittels einem Chip mit Namen "Fritz". Der seinen Namen dem US Senator Fritz Hollings verdankt, ein ausgesprochener Freund der Musikindustrie, der immer wieder durch Gesetzentwürfe auffällt, die vor allem eins im Sinn haben: der Unterhaltungsindustrie Macht und Geld zu sichern.

Palladium ist der Codename für die "Trusted Computing Platform", das Sicherheitskonzept von Microsoft, dessen Planung bereits 1997 begann. Auf der Basis von kryptographischen Prozessoren und einer Public-Key-Kryptographie sollen in Zukunft nur noch "sichere" Codes ausgeführt werden - aber wer legt fest, was sicher ist? Wer kontrolliert die Kontrolleure? Natürlich Microsoft & Partner, aber das gefällt höchstens der Unterhaltungsindustrie (keine nicht DRM-geprüften Audio- und Videofiles können mehr abgespielt werden), während die Open Source Gemeinde etwas ganz anderes befürchtet, OS-Entwickler Bruce Perens: "Palladium wird entwickelt, um die Open Source-Entwicklung zu killen". Ganz unbegründet scheinen seine Ängste nicht, denn als Microsoft im März das Common Internet File Sharing Protokoll (CIFS) veröffentlichte, war die Nutzung in Software, die unter der GNU General Public License steht, explizit verboten. Andere sind gelassener, weil Paladium die Nutzung von DVDs und MP3s so stark behindert, daß immer mehr User einfach eine andere Computerplattform wählen könnten, um die Achse des Bösen elegant zu umschiffen.

THE INTERNET DEBACLE -
AN ALTERNATIVE VIEW ?
Unter dieser
Headline veröffentlichte im Mai 2002 die amerikanische Songwriterin Janis Ian einen Artikel, in dem sie ihre Sicht der Urheber-Problematik in Zeiten des Netzes schildert. Der Tenor: Es ist durchaus nachvollziehbar, was die Majors machen, allerdings wehrt sichJanis Ian gegen die Behauptung, sie würden das für die Musiker machen. Gleich zu Beginn des Artikels, die spitze Bemerkung: "The NARAS (home of the Grammy Awards) people were a bit more pushy. They told me downloads were "destroying sales", "ruining the music industry", and "costing you money". Costing me money? I don't pretend to be an expert on intellectual property law, but I do know one thing. If a music industry executive claims I should agree with their agenda because it will make me more money, I put my hand on my wallet ... and check it after they leave, just to make sure nothing's missing ..." Ian´s Artikel machte schnell die Runde und gehört zu den aktuellen Highlights der Diskussion, auf heise gibt es Auszüge aus dem Artikel in D und die Haltung von Joachim de Witt.

Vivendi-Universal Chef geht
Warum geht es der Industrie so schlecht, daß
Vivendi-Universal-Chef Jean-Marie Messier das Handtuch werfen mußte? Messier, dem Kritiker Größenwahnsinn und exzentrischen Führungsstil vorwerfen, hinterläßt mindestens 35 Milliarden Euro Schulden und interessante Einsichten in das Musikgeschäft. Zusätzlich geht das Gerücht von Bilanztricks um - Busines as usual? Für seine "Leistung" kassiert der "TopManager" 18 Millionen Euro an Abfindung und mußte im Gegenzug auch sein Appartement in NY aufgeben, für das sein Arbeitgeber 18 Millionen Dollar Miete per anno cashte. Kein Wunder, daß bei dieser Haushaltsführung 35 Milliarden Dollar Schulden anfallen - und auch kein Wunder, daß die Kids ihre Universal-CDs lieber aus dem Netz saugen, wenn sie solche Zahlen lesen. Sie provozieren geradezu Sozialneid, Mundraub und Kleinkriminalität - abgesehen davon, daß all das schöne Geld weder den Künstlern, noch den Aktionären zufließt. Auch nicht den zahlreichen Mitarbeitern, die hierzulande so gut arbeiten, daß mehr als die Hälfte der aktuellen Top Ten Hits auf ihre Kappe geht: Hut ab! Dem Konzern, vor wenigen Jahren noch ein hochprofitables Unternehmen, droht trotzdem die Zerschlagung.

Die Unterhaltungskonzerne
sind bankrott - was dann?

Fragt sich die NY Times, schließlich handelt es sich bei Universal um den zweitgrößten Unterhaltungskonzern der Welt. Doch den anderen geht es kaum besser, auch der Zusammenschluß von Time Warner und AOL vernichtete Milliarden und die Synergie zwischen Netzbetreiber, Content und Abonnent will sich einfach nicht einstellen. So stehen fast alle großen Unterhaltungskonzerne (am besten scheint es dabei noch Bertelsmann zu gehen) mit dem Rücken zur Wand, derern CEO´s noch vor zwei Jahren (Capital 17/2000) schwärmten:

• Musik und unser Online-Portal sind ein Triumph im Internet-Zeitalter
(Jean-Marie Messier, CEO Vivendi)

• Das meiste Geld schöpfen wir künftig mit interaktiven Diensten wie Musik ab
(Noboyuki Idei, CEO Sony)

• Im Herbst packen wir den gesamten Musikkatalog zum Herunterladen ins Netz
(Thomas Middelhoff, CEO Bertelsmann)

• Musikvermarktung steht bei der Fusion mit AOL ganz oben auf der Liste der Synergien
(Gerald Levin, CEO Time Warner)

• In der digitale Revolution ist dies die beste Zeit für ein Joint-Venture mit Warner
(Eric Nicoli, Chairman EMI)

MP3 Surfer künftig individuell verfolgen
Eine Möglichkeit an Geld zu kommen, demonstriert die eiserne Lady
der Musikindustrie, Hillary Rosen. Sie kündigte am 2. Juli an,
künftig auch einzelne MP3-Surfer rechtlich zu verfolgen. Bisher hatte man diese Möglichkeit immer explizit ausgeschlossen. Doch durch eine Reihe von Gesetzen, die nach dem 11. September verabschiedet wurden, werden userbezogene Daten und Verbindungen in fast allen westlichen Ländern sechs und mehr Monate lang gespeichert, was eine Verfolgung theoretisch möglich macht. Zwar ist man mit einer ähnlichen Taktik bereits schon mal gescheitert (als man einzelne Studentenin amerikanische Hochschulen, auf deren Rechner Musikfiles zum Sharing lagen, rechtlich anging, doch als ein Proteststurm losbrach, immerhin gehören College Studenten zu den kaufkräftigsten zielgruppen der Musikindustrie -ließ man die Taktik schnell wieder fallen) doch inzwischen hat sich die finanzielle Lage soweit verschlechtert, daß man alles tut, um die weitgehend selbstverschuldeten Managementfehler auszubügeln. Ob es hilft?

Ist Filesharing noch zu stoppen?
Fachleute meinen, daß Filesharing längst nicht mehr zu stoppen und es unmöglich ist, dezentrale P2P Netze zu kontrollieren. Brad King in wirednews: "The day for cleaning up P2P networks through court action may now be past," Rep. Howard Berman (D-California) told the Computer and Communications Industry Association. "It may be that truly decentralized P2P systems cannot be shut down, either by a court or technologically, unless the client P2P software is removed from each and every file trader's computer."
Doch das sind alles nur Scharmützel, wie die Kopiersperre oder die Taktik der Musikindustrie, in Filesharing-Börsen kaputte Files anzubieten, um User abzuschrecken.

Neue US-Gesetzentwürfe
Bedenklicher stimmt da schon der US-Gesetzentwurf, der Unterhaltungsindustrie in Zukunft Hacker-Angriffe auf private Rechner und Server zu erlauben, die (nicht lizensierte) Musik up- oder downloaden. Denn in der digitalen Welt l■sst sich die alte Form des Copyrights nur mit drastischen Einschränkungen der Nutzerrechte, strengen Kontrollen und drakonischen Strafen durchsetzen: "Nur ein totalitärer Polizeistaat ist in der Lage, so etwas zu tun", so GNU-Gründer Richard Stallmann auf einer Konferenz über die "Allianz des Wissens - Wirtschaft und Wissenschaft auf dem Weg in die Wissensgesellschaft" an der Humboldt-Universität Berlin, zum Artikel.

Neue US-Gesetzentwürfe II
Eine Reihe von amerikanische Kongressabgeordneten wollen den Digital Millenium Copyright Act (DMCA) und die entsprechenden Copyright-Bestimmungen drastisch verschärfen. Besonders eifrig die congress men Howard Coble und Howard Berman, die Gebühren für das Musik-Kopien einführen wollen, für TV-Aufzeichnen und die Übertragung von Dateien im Internet! Bislang galt dafür das Prinzip des "fair use", man konnte Musik und TV-Sendungen aufzeichnen und (in kleinem Stil) auch an Bekannte weiterreichen - das soll in Zukunft unter Strafe gestellt werden.
Bei der Gelegenheit sollen auch die Internetradios deutlich mehr zahlen, die Provider sollen zur Kasse gebeten werden und ... Horward Berman, der sich schon häufiger fčr die Musik- und Filmindustrie eingesetzt hat, legte noch einen Gesetzesentwurf drauf, um den Majors ein schärferes Vorgehen gegen die Tauschbörsen zu ermöglichen: Es soll ihnen in Zukunft erlaubt sein, Tauschbörsen durch Einschleusen manipulierter Daten zu sabotieren und Downloads zu vereiteln. Das, so Berman, ist " ein wichtiger Teil der Lösung, die Copyright-Inhaber in die Lage zu versetzen, durch die Nutzung bestimmter Techniken mit den Problem fertig zu werden.

NachrichtenArchiv Mai/Juni

Linkliste Copyright

Über das Sommer Special 2002
Copyright in Zeiten des Internet hat mehr als nur mit künstlerischen Urheberrechten zu tun, es geht um grundlegende Bürgerrechte, technologischen Fortschritt und den drohenden Überwachungsstaat.
Bestes Beispiel ist die jüngst verabschiedete EU-Richtlinie (hier im deutschen Original als PDF) über "die Verarbeitung personenbezogener Daten und den Schutz der Privatsphäre in der elektronischen Kommunikation". War man vor dem 11. September auf bestem Weg, die flächendeckende Bespitzelung seiner Bürger weitgehend zu untersagen, wurde im Zuge des 11.September der Entwurf nahezu in sein Gegenteil verkehrt. Dazu kommt der Versuch, den Gesetzgeber über den Druck von "Visitors", Lobbyisten, zum Büttel der Unterhaltungsindustrie zu machen.

Historischer Interessensausgleich
Dabei ist das Urheberrecht historisch nicht dazu gedacht, die Profite von fünf Firmen zu sichern. Vielmehr diente es dem Interessensausgleich zwischen Herstellern, Vertreibern und dem Recht der Öffentlichkeit auf Information. ŃErfindungen können von Natur aus nicht jemandes Eigentum sein", schrieb Thomas Jefferson, doch inzwischen wird der Interessenausgleichs zwischen Eigentum und Informationsfreiheit immer großzügiger zugunsten der Industrie ausgelegt. Die neue EU Richtlinie sah eine Zeitlang sogar vor, das Recht auf die Privatkopie zu streichen, ähnliche Anstrengungen gibt es in den USA. Dabei bleiben die Rechte der eigentlichen "Betroffenen", der Autoren und Musiker, immer weiter auf der Strecke, worauf selbst Kommentare in deutschen Gesetzen verweisen.

Warum an dieser Stelle diskutieren?
Warum das Thema ausgerechnet hier zur Sprache kommt? Nun, als Musiker, Studiobetreiber, Journalist und Produzent habe ich seit Jahren damit zu tun. Ich kenne den Blickwinkel der Musiker, der kleinen Labels und der Majors. Ich weiß was es bedeutet, Lizenzen zu beantragen, selbst firmenintern monatelang auf Verträge zu warten und GEMA-Abrechnungen zu überprüfen - von KEINE EINZIGE stimmt: Je feiner der Zwirn, desto größer die Lumpen, daher betrachte manche Anstrengungen aus argwöhnischem Interesse.

Medizinische Daten
Das gilt nicht nur für Onlin-Publikationen und Musik im Netz - auch der medizinische Bereich läuft zunehmend über Netze. Patientendaten, Werte und Befunde, Reise- und sonstige Gewohnheiten, eventuelle psychische Probleme - alles ungesichert, transparent und offen für Schnüffler aller Coleur. Grenzenlos! Und was passiert, wenn life monitoring via Handy funktioniert, Biochips daran angeschlossen sind und all die kleinen elektromagnetischen Tricks aus den Labors kommen, an denen die Dienste arbeiten? Entwicklungen, die erst langsam in die allgemeine Diskussion einfließen.

Es ist eine vernetzte Welt! Sie ist noch in den Kinderschuhen, doch wenn wir nicht aufpassen, werden aus Bürgern bloße Konsumenten und etwa ein Viertel der Gesellschaft fällt mangels Masse aus dem kommerziellen Raster. Was passiert mit ihnen? Werden sie zum Pendant der (aus amerikanischer Sicht) ruch- und rechtloser "Schurkenstaaten"? Was wird aus den vielen Versprechungen und Chancen der digitalen Welt? Alles nur Amazon? Aus diesen und anderen Gründen mehr über die komplexe Auseinandersetzung zwischen Konzernen und Konsumenten im ongoing Sommer Special 2002: Copyright or Copywrong?


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