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Neurosemantik,
2. Teil

6.809 lebendige Sprachen 

Europa spricht 64, China 51, Afrika 1.250 und Südamerika 2.1000 verschiedene Sprachen. Am populärsten sind Mandarin-Chinesisch (885 Millionen), Spanisch und Englisch (330 Millionen), Bengali und Hindi (je 180 Millionen Menschen). Anno 2000 listete das "Summer Institute of Linguistics" 6.809 lebendige Sprachen, wobei die Hälfte von weniger als 2.500 Menschen gesprochen, gelernt und weitergegeben wird. Linguisten rechnen mit einem weiteren Sprachensterben. Hält der negative Trend an, werden 2100 zwischen 3.400 und 6.120 Sprachen verschwunden sein, so Payal Sampat in der Zeitschrift "World Watch".

Sprache als kulturell-genetischer Code

Diesen Verlust beklagt nicht nur Lev Vygotsky, Psychologe, Sprachforscher und für den New Scientist der "größte Wegbereiter dieser psychologischen Fachrichtung". Vygotsky betrachtet Sprache als Bauplan, Code und Struktur, die Institutionen, Gesetzen und Doktrin, aber auch Wissenschaft und Mathematik zugrunde liegt.  Eine kulturelle DNS, geprägt von den Glaubensmustern sozialer Gemeinschaften, die damit ihre Ideen und Charakteristika in die äussere Wirklichkeit projezieren.

Auch psychologische Dimensionen wie Selbstbewußtsein sind für Vygotzky eine "Illusion der Sprache", die uns über "innere Stimmen" Zugang zu höheren mentalen Fähigkeiten ermöglicht. Vygotzky  beschäftigt sich intensiv mit Suggestionen (prägnanten Worten und Sätzen, die in der steten Wiederholung und verbunden mit intensiven Gefühlen eine deutliche Tendenz zur Verwirklichung in sich tragen) und Sprache als auditiver Schlüsselreiz, realitätsschaffender Attraktor und Virus. Ähnlich operieren Marketing, Sekten und Kirchen, Psychologen und Politiker. Begriffe schaffen Realitäten, besetzen öffentliche Räume und Diskussionen. Heiße Sache!

Neuronale Resonanzen

Neurologen gehen die Sache cooler an und betrachten den Unterschied zwischen Harmonie und Missklang, Musik und Lärm weniger Ergebnis späteren Lernens oder kultureller Disposition, sondern  bereits in unseren Hirnstrukturen angelegt. Die Neurologen Mäss, Kölsch, Gunter and Friederici vom Max-Planck-Institut für neurophysiologische Forschung in Leipzig veröffentlichten in  Nature Neuroscience (Mai 2001) eine Untersuchung, daß die harmonischen Qualitäten von Musik und Sprache neurologisch determiniert sind und unser Gehirn Musik und Sprache in indentischen Zentren verarbeitet.

Motorisches Zentrum

Das Broca´schen Sprachzentrum (motorisches Zentrum) liegt im hinteren, unteren Frontallappen des Großhirns und steuert unter anderem das Formulieren von Sprache und das Sprechen. Es prozessiert Wörter, Satz und Sinn, steuert die musikalische Syntax und Metasyntax, die Musik und Sprache miteinander verbindet, so die Leibziger. Was verrät das über die griechischen Versmaße, Kinderreime, Haikus und Hexameter?

Ausflug in ein entferntes Wissensgebiet:
Eurhythmie und Hexameter
"In der überkommenen griechischen Sprachkultur war das Versmaß vorrangig. Inhalt und Aussage ordneten sich dem unter" schreibt Christian Maurer (www.eurythmie.de) in einer Abhandlung über den Hexameter. Eurythmie ist eine (anthroposophische) Bewegungskunst, die Sprache und Bewegung verbindet. "Das Sprechen im Versmaß des griechischen Hexameters ist eine elementare Schulung der erwachenden Denkkraft um das 12. Lebensjahr - das Hexameter-Sprechen hilft den Kindern, Blut- und Atemrhythmus ins Gleichgewicht zu bringen".

Und der Anthroposoph, Literaturwissenschaftler und Kunsthistoriker Friedrich Hiebel: "Die Proportion zwischen einem vollen Atemzug und den vier Pulsschlägen wird durch das Sprechen des Hexameters offenbar. Er ist also ein Ausdruck des menschlichen Rhythmus der Lungen und des Herzens. Deshalb wurde der Hexameter ursprünglich rezitierend konzipiert und singend gesprochen, aber nicht geschrieben oder gelesen. Die alten Barden, welche noch mit dem uns heute völlig unverständlichen "homerischen" Gedächtnis die Epen rezitierten, konnten dies stundenlang tun, ohne zu ermüden, weil das Metron selber noch gleichsam im Einklang mit der Menschennatur oder wie ein Stück von ihr gewesen war" (aus: Fr. Hiebel, Die Botschaft von Hellas.)


Sprache - wichtige Parameter

Vielleicht liegt  es am Ursprung im motorischen Zentrum, daß Sprache (neben den akustischen Kenngrößen wie Tonhöhe, Stimmlage, Intensität, Modulation und Lautstärke) eng mit motorischen Prozessen (wie Gestik, Mimik. Blickrichtung, Körperhaltung und -neigung) in Verbindung steht. Wir reden mit Händen und Füßen, Gestik, Mimik. Blickrichtung, Haltung,  Körperneigung und Emotionen ...

In der NLP-Literatur ist häufig zu lesen, daß wir (die Zahlen variieren) zu sieben Prozent auf den Sachinhalt einer Aussage reagieren, mit 38 Prozent auf die paraverbalen und zu 55 Prozent auf die nonverbalen Anteile der Sprache. Gesicherter ist die Quantität der Pausen - sie machen 40-50 Prozent unserer Alltagssprache aus.

Hören, Sprache und Haltung

Sprechen, Hören und Haltung sind eng miteinander verbunden, wie der französische Höhrforscher Prof. Alfred Tomatis zeigte:

• Die Stimme enthält als Obertöne nur die Frequenzen,
die das Ohr auch hören kann

• Verändert man das Hören der eigenen Sprache mit einem Filter,
so klingt sofort die Stimme anders

•  Wiederholt man dieses akustische Training über einen längeren Zeitraum,
so verändern sich Stimme und das Gehör dauerhaft

Das ethnische Ohr

Therapeut und Produzent Ingo Steinbach, der sich intensiv mit Stimme und Gehör beschäftigte, schreibt: "Nicht minder aufschlußreich und durch viele Wissenschaftler belegt ist die Tatsache, daß es auch so etwas wie ein ethnisches Ohr gibt. So wie das Ohr von Individuum zu Individuum unterschiedlich ist, unter scheidet es sich auch von Gegend zu Gegend und von Land zu Land. In Abbildung 8 sehen Sie einige Beispiele ethnischer Hörkurven, wie sie S. Manassi, Schweiz, und M.E. Harrisson, Südafrika, aufführen. Schauen Sie sich die Kurve des italienischen Ohres an. Italienisch ist die Sprache der Musik. Ein großer Sänger hat einmal gesagt, daß eine Oper, die nicht in italienisch gesungen wird, nur halb so gut klingt (gibt es nicht zu denken, daß das italienische Ohr eine bis fast in den Bereich von 4000 Hz ansteigende Empfindlichkeit hat ..

Emotions-Parameter

Prof. Walther Sendlmeier vom Institut für Kommunikationswissenschaft, Medien- und Musikwissenschaft an der TU Berlin interessierte sich für die Frage, wie sich Gefühle in der Stimme niederschlagen. Er anylsierte Tonhöhe, Lautstärke, Grundfrequenz, Sprechtempo und Artikulationsgenauigkeit, um  computergesteuerte Sprachausgabe menschlicher zu machen, verständlicher für unsere Ohren. Ergebniss: Wir sprechen bei Ärger schneller und betonen jede Silbe - und zwar nachdrücklich! Bei Angst, Trauer und Langeweile dagegen sprechen wir  leiernd, monoton und neigen zum Nuscheln. Das sind Erkenntnisse, die sich nicht nur in Software zur Spracherkennung niederschlagen, sondern auch in (therapeutischen) Medien subtil umsetzen lassen, wenn es um Emotionen geht.

In der Musik ging Manfred Clynes ähnliche Wege, in dem charakteristische Eigenheiten des Atems und des Vibratos nutzte, um MIDI-SIgnale mit einem "human touch" zu versehen und somit weniger statisch klingen zu lassen: die SuperConductor Software

Atome der Sprache

Wie beim Hexameter angedeutet, kann die Wirkung bestimmter Sprachrhythmen auf unsere Befindlichkeit in der Poesie studiert werden, der geheimnisvolle Synthax traditioneller Gedichte, Verse und Gesänge. Für die Hirnforscher Frederick Turner und Ernst Pöppel sind diese Rhythmen cerebral codiert: Gedichte von Geistheilern aus Sambia oder aus Neu Guinea lösen weltweit ähnliche Empfindungen aus.

• Dafür machen Turner und Pöppel archetypische Sprachrhythmen verantwortlich, die über neuronale Resonanzen und musikalische Ähnlichkeiten Stimmungen transportieren können. Solche sprachlich-cerebralen Archetypen postulierte der Sprachforscher Noam Chomsky bereits vor Jahren, konnte aber seine These einer Handvoll Urformeln, eine Universalgrammatik mit entsprechend angeborenen Hirnstrukturen, nie erhärten.

• Doch Computersimulation und das wachsendes Interesse an Übersetzungsprogrammen treibt die Forschung weiter: Chompsky´s Schüler, der Linguist Mark C. Baker präsentierte unlängst (The Atoms of Language) 14 Urbausteine der Sprache. Das Konzept erinnerte mich an die Forschungen von Felicitas Goodmann über Glossolalie, das (traneinduzierte) "Sprechen in Zungen". Weltweit verbreitet, gleicht sich die Syntax der (meist religiös motivierten) Gruppen von Alaska bis Feuerland - die Ursprache, scheinbar lallend, sprachlos und in Trance?

Linkempfehlung:
Medienwandel und Mensch
Auf der Suche nach der Landkarte des Wissens
Stefan Krempl   24.02.1999 , Interview mit dem Münchner Hirnforscher Ernst Pöppel über die Folgen des Medienwandels für den Menschen

Sprache und Körperhaltung

Felicitas Goodmann erforschte einen weiteren Zugang zu Archetypen: Bestimmte Körperhaltungen und rhythmische Stimulation. Angeregt durch das Studium alter Bilder und Höhlenzeichnungen, nahm sie längere Zeit die dargestellten Haltungen ein, alleine und im Kollektiv. Die Entdeckungen waren verblüffend und sind inzwischen in zahlreichen Workshops bestätigt. Dabei gibt eine Kürbisrassel den Beat vor (200 bios 210 bpm), die Teilnehmer nehmen die typische (meist sehr unbequeme) Haltung ein und gleiten (schon um diese zu vergessen?) nach kurzer Zeit in eine mehr oder minder tiefe Trance.

• Anschließend, so Prof. Giselher Guttman, Neurologe an der Universität Wien, berichten sie häufig von Eindrücken und Motiven "die in oft verblüffender Übereinstimmung, in Mythen aus verschiedensten Kulturkreisen begegnen ..."

Prof. Guttman untersuchte einige Probanden vor, nach und während der Trance mit einem EEG und stellte fest: "Wesentlich dramatischer waren freilich die von uns untersuchten Veränderungen des DC-Potentials (Gleichspannungs-EEG) unter Trance. Gleich nach Beginn der Trance-Induktion begann das kortikale Bestandpotential anzusteigen und zeigte eine Verschiebung von rund 2000 Mikrovolt: Dies ist der Veränderung vergleichbar, die wir im Schlaf beobachtet hatten - diesmal allerdings in umgekehrter Richtung: Die Personen gerieten in einen Zustand extrem hoher Aktivierung, weit höher, als die des normalen Wachzustandes!"

DOSSIER: The  Kall Positive
Experience Inventory
Das "Positive Experience Inventory" von Rob Kall ist eine Sammlung von Erfahrungen, Verhaltensweisen, Erinnerungen und Beobachtungen, von Vorstellungen und Fantasien die gleichermaßen herzerwärmend, aufbauend und energetisierend sind - und Menschen glücklich, frei, extatisch, inspiriert, euphorisch, mitfühlend und stark machen: vorbildlich! Rob Kall ist zugleich der Organisator eines der größten Neuofeedback-Kongresse in den USA (www.futurehealth.org).


Lesenswert in diesem Kontext:

Bärenmedizin und Jaguarkraft
Über bewusstseinsöffnenden Techniken der Schamanen, mit einem Bericht von Prof. Giselher Guttmann über DC-Potential EEG-Messungen ekstatischer Trancen:

• Sam Williamson und Lloyd Kauffmann, Universität New York, untersuchten die Reaktionen auf verschiedene Töne, mit einem MagnetEncephalogramm (MEG). Dabei zeigte sich, daß verschiedene Tonhöhen unterschiedliche Areale im Gehirn reizen, wertvolle Anregungen für therapeutische und funktionale Medien, wenn man an die Konsequenzen minimnaler Stimuli in Hinblick auf Gedächtnisleistung, Sprachverständlichkeit und räumliches Vorstellungsvermögen denkt.

Audioviduelle Reize können epileptische Anfälle auslösen, Rhythmen von 4 bpm zuverlässig eine Trance induzieren und es gibt Frequenzen  und Frequenzfenster (40 Hz, 20 Hz, 10 Hz oder 8 Hz), auf die sich unser Gehirn bevorzugt einschwingt, wenn sie ihm elektrisch, magnetisch, optisch oder akustisch angeboten werden. Die Reaktionsfreudigkeit gilt auch für das "Drei-Sekunden-Fenster", wozu der Hirnforscher und Psychologe Prof. Ernst Pöppel, folgenden Versuch vorschlägt:

Denken, sprechen, handeln -
das Drei-Sekunden-Phänomen

"Stellen Sie ein Metronome auf 60 und lasen sie es vor sich hinticken. nach kurzer Zeit werden Sie merken, organisiert Ihr Gehör die gleichmäßigen Schläge zu Gruppen. Man kann nun versuchen, die Gruppen immer länger zu machen. Aber ab einer bestimmten Länge - etwa drei Sekunden, wird das unmöglich, der Takt verschwimmt, die Gruppe bleibt nicht länger als einprägsames Ganzes erhalten."  Entsprechende Messungen wurden bei Europäern und Amerikanern, bei Yanomami-Indianern, Kalahari-Buschleuten und Trobriandern (Melanesier) durchgeführt. Und jedesmal erwies sich das Drei-Sekunden-Phänomen als Konstante: Filme und Werbespots sind voller Drei-Sekunden-Einstellungen, Sportler zählen eins, zwei, drei, Ampeln schalten im Dreivierteltakt und Sprecher legen nach drei Sekunden eine Pause ein. Unabhängig von Alter und Geschlecht, Herkunft, Rasse oder Religion.

Linkempfehlung:
Wie unser Gehirn einzelne Wörter erkennt: puliki, purali, pufoki

Inhaltsabhängige Gedächtnisformen, Deklaratives Gedächtnis

Neurosemantik, 1. Teil Neurosemantik, 3. Teil
Neurosemantik, 4. Teil Neurosemantik, 5. Teil

 

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